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Ratgeber · 6 Min. Lesezeit

Wohnen für Hilfe in Berlin: So funktioniert das Modell

Von Noelle Clarke, Projektverantwortliche und Gründerin

In Berlin stehen tausende Zimmer leer — oft bei älteren Menschen, deren Wohnung nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Partners zu groß geworden ist. Gleichzeitig suchen Studierende, Alleinerziehende und Alleinstehende verzweifelt bezahlbaren Wohnraum. „Wohnen für Hilfe“ bringt beide Seiten zusammen: ein möbliertes Zimmer zu einer fairen Miete deutlich unter dem Mietspiegel — im Tausch gegen feste Stunden Alltagshilfe pro Woche.

Das Grundprinzip: Miete plus Zeit

Anders als bei klassischer Untermiete besteht die „Zahlung“ aus zwei Teilen: einer reduzierten Warmmiete und einer festen Stundenzahl Alltagshilfe — zum Beispiel sechs Stunden pro Woche für Einkaufen, Kochen, Haushalt oder einfach Gesellschaft. Beides wird vorab schriftlich vereinbart, damit keine unausgesprochenen Erwartungen entstehen. Genau daran scheitern private Arrangements am häufigsten: nicht an fehlender Sympathie, sondern an unklaren Absprachen.

Was Wohnen für Hilfe nicht ist

Alltagshilfe ist keine Pflege. Körperpflege, Medikamentengabe und Nachtwachen sind bei seriösen Vermittlungen ausdrücklich ausgeschlossen — dafür gibt es Pflegedienste. Wer Pflege braucht, bekommt über die begleitende Sozialstation die richtige Unterstützung vermittelt; das Wohnmodell ersetzt sie nicht.

Die Rolle der Sozialdienste

Bei WohnTandem bedienen ältere Menschen die Plattform nie allein. Eine Fachkraft aus Pflegedienst, Sozialstation oder Beratungsstelle legt das Profil an, besichtigt die Wohnung, prüft Anfragen und moderiert das erste Treffen. Es gibt keinen Direktkontakt zwischen Fremden und keine Adressweitergabe vor dem moderierten Erstgespräch. Das schützt beide Seiten — und macht den Unterschied zu Kleinanzeigen-Portalen aus.

Für wen sich das Modell eignet

Auf der suchenden Seite: Menschen mit wenig Budget, aber verlässlich planbarer Zeit — Studierende, Alleinerziehende, Berufseinsteiger:innen. Auf der anbietenden Seite: ältere Menschen, die Platz haben und sich Unterstützung im Alltag oder schlicht wieder Leben in der Wohnung wünschen. Entscheidend ist auf beiden Seiten Verlässlichkeit: lieber wenige Stunden, die sicher stattfinden, als viele, die ausfallen.

So startest du

Bei WohnTandem beantwortest du sieben kurze Fragen — was du übernehmen kannst, wie viele Stunden pro Woche realistisch sind, wo in Berlin du suchst. Danach siehst du Vorschläge mit einer Passung in Prozent, die zeigt, wie gut dein Geben zum Bedarf der anbietenden Person passt. Das Erstgespräch findet immer zu dritt statt, mit der begleitenden Fachkraft. Nach acht Wochen Probewohnen entscheidet ihr gemeinsam, ob es weitergeht.

Bereit? Beantworte sieben kurze Fragen und sieh deine Vorschläge.

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